Kosmos | Otto Piene - Christine Jackob-Marks
Über die Ausstellung
Mit der großen Ausstellung „KOSMOS“ widmet die Samuelis Baumgarte Galerie zwei herausragenden Künstlerpersönlichkeiten eine gemeinsame Präsentation, die das Thema des Kosmos in höchst unterschiedlichen, doch miteinander schwingenden Ausdrucksformen erfahrbar macht: dem ZERO-Mitbegründer Otto Piene (1928–2014) und der Berliner Malerin Christine Jackob-Marks (*1943).
In der lichtdurchfluteten Main Hall entfaltet sich ein eindrucksvolles Panorama aus rund 40 Werken – großformatigen Leinwänden, Papierarbeiten und feinen Tuschen –, das die Besucherinnen und Besucher in einen Dialog aus Energie, Erinnerung und innerer Bewegung hineinzieht.
Otto Piene – Der Kosmos als lebendige Energie
Bereits beim Betreten des ersten Saals scheint der Raum selbst zu atmen. Die leuchtenden, schwebenden Kompositionen von Otto Piene füllen die Halle mit vibrierender Präsenz – Feuer, Rauch, Licht und Farbe verschmelzen zu einem visuellen Strom. Werke wie Black Spider (1994), Antigravity (1997), Fire and Ice X (2001) oder Magma (2006/07) offenbaren jene charakteristische Spannung zwischen Kontrolle und Entfesselung, Ordnung und Explosion, die Pienes Kunst so einzigartig macht.
Piene, einer der Gründungsväter der Gruppe ZERO, verstand den Kosmos als lebendige Ordnung, als „Atem des Lichts“. Seine Bilder entstehen nicht aus dem Pinsel, sondern aus Prozessen – Hitze, Rauch, Luft, Bewegung. Man spürt die Energie des Feuers, das über die Leinwand gezogen wurde, den Rhythmus der sich ausdehnenden Form, das Pulsieren des Lichts, das aus der Materie selbst aufzusteigen scheint.
Mit dieser Schau setzt die Galerie eine langjährige Auseinandersetzung mit Pienes Werk fort: Nach der großen Retrospektive „Otto Piene – Licht, Energie, Kosmos“ und der späteren Ausstellung „Piene & Fontana“, die den Dialog zwischen Licht und Raum thematisierte, ist dies die dritte große Piene-Präsentation der letzten zehn Jahre.
In KOSMOS zeigt sich sein Spätwerk als Vermächtnis eines Künstlers, der den Himmel als Atelier begriff – eine Kunst, die das Unsichtbare sichtbar und das Flüchtige dauerhaft macht.
Christine Jackob-Marks – Kosmos und Erinnerung
Im anschließenden Saal öffnet sich eine andere, leise vibrierende Welt. Die Werke von Christine Jackob-Marks umfangen den Besucher mit einer Atmosphäre der Stille und Tiefe. Man tritt in einen Raum der Erinnerung – ein farbiges Schweigen, das zugleich bewegt und gesammelt wirkt.
Ihre Malerei, seit den 1980er-Jahren in Berlin entstanden, vermittelt zwischen äußerer Wahrnehmung und innerer Erfahrung. Frühe expressive Gesten weichen seit den 2000er-Jahren einer sensiblen, gestischen Abstraktion, in der Farbe, Licht und Bewegung unmittelbar miteinander kommunizieren.
Jackob-Marks, die 1994 gemeinsam mit einem Team den ersten Preis im Wettbewerb für das Denkmal der ermordeten Juden Europas gewann, arbeitet seit Jahrzehnten an einem künstlerischen Begriff von Erinnerung. Ihre Bilder sind keine Illustrationen, sondern Resonanzräume. In ihnen begegnen wir einer Malerei, die nicht zeigt, sondern spüren lässt: das Fließen der Zeit, die Schichtung von Erinnerung, das Aufleuchten innerer Landschaften.
Auch Christine Jackob-Marks blickt auf eine langjährige Tradition mit der Samuelis Baumgarte Galerie zurück, die bereits in den 1990er-Jahren mit ersten Ausstellungen in Bielefeld und auf internationalen Kunstmessen begann. Ihr heutiges Werk steht somit in einer gewachsenen Verbindung zu unserem Galerieprogramm, das ihre künstlerische Entwicklung über Jahrzehnte hinweg begleitet und gefördert hat.
In den jüngeren Arbeiten – etwa Priele (2023), Eiszeit (I) (2023) oder Hurrikan (2024) – scheinen Wasser, Erde, Licht und Dunkelheit in einer stillen Bewegung miteinander zu verschmelzen. Man steht vor Flächen, die atmen. Das Licht kommt nicht von außen, sondern scheint aus der Tiefe der Leinwand zu glühen. In den neuen Papierarbeiten von 2025 verdichtet sich dieser Prozess zu reiner Geste, zu einer beinahe zeichnerischen Meditation über das Entstehen und Vergehen.
So führt der Rundgang durch ihre Räume zugleich durch Schichten von Erinnerung und Wahrnehmung – bis zu jenem Punkt, an dem Malerei zu Bewusstsein wird.
Zwei künstlerische Universen – ein gemeinsamer Atem
In der Begegnung dieser beiden Werkkomplexe entsteht ein Spannungsbogen, der den Besucher von der physischen Energie Pienes bis zur kontemplativen Tiefe Jackob-Marks’ trägt. Beide suchen im Medium der Malerei das Unsichtbare – jenes innere Leuchten, das alles Sein verbindet.
Parallel zur Ausstellung „KOSMOS“ zeigt die Galerie in erweiterten Räumlichkeiten und im Obergeschoss weiterhin in konzentrierter Form ausgewählte Highlights der großen Ausstellung „The Weimar Era“. Damit spannt die Galerie einen eindrucksvollen Bogen von den expressiven Visionen der Klassischen Moderne bis zu den zeitgenössischen Erkundungen des Kosmos als Energie, Erinnerung und Bewusstsein.
Information
Vernissage, Samstag 22. November 2025, 17 Uhr