Durch Marks’ jüdische Herkunft begann sie, sich intensiv mit der Geschichte des Holocaust auseinanderzusetzen. Ihre Malerei wurde zum Ort der Erinnerung, zum Medium der Reflexion über Leben, Tod, Vergänglichkeit und Dauer. Ab den 1980er-Jahren entstanden Stillleben, Tierbilder und symbolisch aufgeladene Kompositionen, in denen diese existenziellen Themen unmittelbar erfahrbar werden. Pferde, Hunde, Elefanten oder Affen – Tiere, die sie malt – tragen in ihrer Intensität die Lebendigkeit selbst und sprechen den Betrachter direkt an Der Wendepunkt ihrer öffentlichen Wahrnehmung war der Wettbewerb um das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ in Berlin 1994. Zusammen mit Hella Rolfes, Hans Scheib und Reinhard Stangl gewann Jackob-Marks den ersten Preis. Ihr Entwurf, ein architektonisch klar strukturierter, aber emotional tief bewegender Gedenkort, wurde von der Jury um Walter Jens als wegweisend gelobt, jedoch aus politischen Gründen nicht realisiert. Diese Erfahrung, in der Kunst, Ethik und Politik unauflöslich verbunden waren, prägte ihr Denken nachhaltig und vertiefte ihr Interesse an der Verknüpfung von Erinnerung, Verantwortung und künstlerischem Ausdruck. Nach der intensiven Auseinandersetzung mit diesem Projekt wandte sich Jackob-Marks verstärkt der Malerei zu. Ihre Werke jener Zeit zeugen von einer engen Verbindung zwischen Klang und Farbe: Die Schubert-Interpretationen ihres verstorbenen Mannes inspirierten sie zu einer Malerei, die Musik, Rhythmus und Farbe zu einem poetischen Ganzen verbindet. Entstanden sind expressive Landschaften, Meeresbilder, Erdformationen und kosmische Visionen, in denen Spiralen, Wolkenformationen oder die Ränder von Tagebaulandschaften Chiffren existenzieller Erfahrung werden. In jüngeren Jahren wendet sich Jackob-Marks verstärkt den elementaren Kräften der Natur zu – Erde, Wasser, Luft und Feuer erscheinen in ihren Bildern als lebendige Energien, die miteinander interagieren. Der materielle Auftrag der Farbe wird zu einem Sinnbild für den Kreislauf des Lebens: Farbschichten werden aufgetragen und wieder abgetragen, Pigmente verlaufen wie Spuren der Zeit, und Linien brechen auf, als wollten sie sich vom festen Grund lösen. Ihre Malerei ist dabei stets ein Balanceakt zwischen Kontrolle und Loslassen, zwischen Wissen und Intuition. In Interviews beschreibt Jackob-Marks diesen Prozess als „eine Form des Hörens mit den Augen“, bei der sie sich in den rhythmischen Atem der Natur einschwingt und die Malerei zu einer Art Meditation wird. Zugleich beschäftigt sich die Künstlerin zunehmend mit Fragen der ökologischen Verantwortung und der Endlichkeit der Ressourcen – Themen, die sie nicht dokumentarisch, sondern poetisch umsetzt. Ihre großformatigen Leinwände aus den letzten Jahren, etwa die Serien Ashes, Tides oder Horizons, sind keine Anklagen, sondern stille Reflexionen über das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt. In ihnen klingt ein leiser Appell an das Bewusstsein an, eine Einladung, die Welt nicht nur zu sehen, sondern zu spüren. Damit führt Christine Jackob-Marks ihre künstlerische Suche konsequent fort: Kunst als Erkenntnisprozess, als sinnliche und geistige Erfahrung, die das Leben in all seiner Fragilität und Schönheit sichtbar macht. Jackob-Marks’ Stil zeichnet sich durch die prozessorientierte Vorgehensweise aus: Farbe wird geschichtet, verwischt, getupft, gespachtelt und wieder übermalt, bis sich die gewünschte Dichte, Intensität und Bewegung im Bild einstellt. 44 | 45