Über die Ausstellung

Die Samuelis Baumgarte Galerie präsentiert die international renommierten Künstler Otto Piene und Lucio Fontana in einer umfangreichen Doppelausstellung mit 35 Werken. Otto Piene (1928-2014), Mitbegründer der berühmten ZERO-Gruppe, hat in unserer Galerie bereits eine lange Ausstellungstradition. Seine Arbeiten aus Feuer, Rauch und Ölfarbe begeistern den Betrachter immer wieder neu. Sie sind geprägt von einer kontinuierlichen Weiterentwicklung seiner Technik, resultierend aus dem Bestreben, Kunst und Wissenschaft in einem kreativen Prozess miteinander zu verbinden. In der inspirierenden Synergie mit den invasiv geöffneten Werken des gebürtigen Argentiniers Lucio Fontana (1899–1968) wird in der Ausstellung ein philosophisch-technischer Fokus auf die Kunst der klassischen Moderne und Avantgarde des 20. Jahrhunderts gerichtet.

Die Vernissage der Ausstellung „Otto Piene | Lucio Fontana“ findet am Samstag, 16. November 2019 um 17 Uhr statt. Zusätzlich erscheint ein umfangreicher Farbkatalog zur Ausstellung.

Im Jahr 1928 im westfälischen Bad Laasphe geboren und in Lübbecke aufgewachsen studierte Otto Piene Kunst und Philosophie in München, Düsseldorf und Köln. Als Mitbegründer der ZERO-Gruppe um Heinz Mack und Günther Uecker beschritt auch Piene neue künstlerische Wege. Die Samuelis Baumgarte Galerie zeigt als eines der Highlights der Ausstellung die frühe Raster-Arbeit aus der ZERO-Zeit Ohne Titel, 1957/58, Öl auf Leinwand, 30,4 x 69 cm.

Am prägendsten für Pienes unverwechselbaren künstlerischen Ausdruck ist jedoch das Entzünden eines Feuers auf der zuvor bemalten Leinwand. Diese Feuerbilder entstehen durch die enorme Hitzeentwicklung auf den zuvor farbig grundierten und mit einzelnen Farbmotiven gestalteten Malgründen. Bei dem Brennvorgang erhitzt sich die aufgetragene Farbe, wirft Blasen und verkrustet nach dem Erkalten wie bei Waves, 1975, Feuer, Rauch, Öl auf Leinwand, 122 x 122 cm. Entscheidend für ein solch gelungenes Bild ist somit der Zeitpunkt, zu dem das Feuer wieder gelöscht wird. Dauert der Brennvorgang zu lange, zerstört er die Leinwand. Doch Piene nutzt das Feuer zu keiner Zeit destruktiv. Vielmehr lässt er Feuer und Rauch die Leinwand neu malen. Das so entstandene Bild ist damit dem Zufall unterworfen, denn die Ausdehnung der Farbe unter Hitze und die Rauchentwicklung, die sich um den Brandpunkt wie ein weiteres Bildelement auf die Leinwand legt, sind nicht zu kalkulieren. Diese ganz eigene Dynamik im Entstehungsprozess stellt einen besonderen Reiz dieser Feuerbilder dar, für die Yellow, 1975, Feuer, Rauch, Öl auf Leinwand, 199 x 255 cm ein weiteres herausragendes Beispiel ist.

Feuer bedeutet auch Licht, das für Piene ein fundamentales Thema seiner Arbeiten darstellt. Das intensive Spiel zwischen Licht und Dunkelheit nimmt Piene in seinen Lichtskulpturen auf. Copper Play, 2011/14, Kupfer, Licht und Motor,                   125 x 125 x 18 cm malt faszinierende Lichtwelten auf die umgebenden Wände der Galerie, deren Bilder sich durch die Rotation ständig verändern. Erst die dunkle Umgebung des Raumes lässt den Betrachter unwillkürlich an einen klaren Sternenhimmel bei Nacht denken.

Auch bei den in seinem Spätwerk entstandenen Keramiken ist der Brennvorgang für die Komposition von großer Wichtigkeit. Arbeiten wie die Regenbogen-Keramik, 2014, Glasur auf Ton, 95 x 142,5 x 6 cm sind hierfür ein faszinierendes Beispiel. Die so entstehenden Erhebungen auf der Oberfläche geben den Arbeiten eine ganz eigene Struktur, die resultierenden Licht-Schatten-Effekte eine ganz eigene Dynamik. Durch die aufgetragene Glasur erhalten die Keramiken im Abschluss ihren Glanz. Dadurch reflektiert das an sich stumpfe Material Ton das Licht und nimmt die für Piene so wichtige Thematik von Glanz und Wärme bis hin zur Hitze wieder auf.

Der argentinisch-italienische Künstler Lucio Fontana beschäftigt sich mit der räumlichen Qualität von Plastiken und Gemälden und gründete die Kunstbewegung des Spatialismus. Der Aufbruch der Zweidimensionalität, der traditionellen Malerei und deren glatter Oberfläche wird in Fontanas Raumkonzepten, den Concetto Spaziale, zum philosophisch-kompositorischen Bildprogramm erhoben.

Seine oftmals monochromen Leinwände werden von ihm mit charakteristischen Schnitten versehen oder auch kalkuliert durchstochen, eine in unserer Galerie präsentierte Arbeit ist beispielsweise Concetto Spaziale, 1962, Öl, Löcher in lackierter Leinwand, 62 x 76,4 x 7 cm. Dabei entstehen komplexe energetische Muster, die zwischen einer dynamischen Experimentierfreude und durchdachter Destruktion der bemalten Leinwand changieren. Fontana hielt diese in höchstem Maße innovativen künstlerischen Ideen in seinem Manifiesto Blanco (Weißes Manifest,1946), als Initial einer neuen sich zwischen die Architektur, Malerei und Bildhauerei verortenden Kunstgattung fest, die sowohl die Dynamik des Raumes neu definierte, als auch die Installationen zukünftiger Künstlergenerationen maßgeblich beeinflusste.

Im Verlauf seiner künstlerischen Entwicklung, als Schüler des berühmten italienischen Bildhauers Adolfo Wildt, verwirklichte Fontana seine kreativen Visionen zusehends in der Abstraktion. Mit den befreundeten Künstlern Fausto Melotti, Atanasio Soldati und Luigi Veronesi gründete er auch die italienische Sektion der Pariser Künstlergruppe »Abstraction-Création«, deren erklärtes Ziel es war, der abstrakten Kunst einen neuen Fokus auch hinsichtlich der künstlerischen Medien zu geben. Ab Mitte der 1930er Jahre begann Fontana zudem seine buchstäblich raumgreifenden künstlerischen Ideen auch mit Keramikarbeiten wie Concetto Spaziale, 1954, Löcher und Ritzung in bemalter Keramik, 25,5 x 30 cm umzusetzen, die ihm schließlich auch die Teilnahme an der 17. Biennale in Venedig ermöglichten. Erst 1947 kehrte Fontana nach seinem Exil in Argentinien zurück nach Italien, um seine künstlerische Karriere in Europa wieder aufzunehmen.

Neben weiteren zahlreichen Manifesten setzte sich Fontana auch für das Ende der statischen Kunstgattungen ein. Mit Arbeiten wie Concetto Spaziale, 1957, Öl und Sand auf Leinwand, 39,5 x 50 cm stand er zeitlebens für eine Abkehr von der herkömmlichen Verwendung künstlerischer Medien. In seinen Arbeiten sprengte er dann geradezu demonstrativ die traditionellen Vorstellungen der Malerei und schuf mit seinen „Buchi“, den durchlöcherten und „Tagli“ den zerschnittenen Leinwänden, die weltberühmte Zäsur durch ein visionäres Werk aus Schattenwurf, Einbeziehung der Umgebung, Formenreduktion und der Zerstörung der metaphorischen Grundlage akademisch-künstlerischer Entfaltung.

Otto Piene und Lucio Fontana verfolgten somit beide mit ihrem Oeuvre und auf ihre ganz eigene künstlerische Weise einen philosophisch-technischen Ansatz der Destruktion traditioneller Vorstellung über die Kunst der Moderne. Sie nehmen heute mit ihren einzigartig visionären Konzepten zurecht Ihren Platz, als Wegbereiter der postmodernen Kunst des 21. Jahrhunderts in der Kunstgeschichte ein.

Vom 16. November 2019 bis zum 01. Februar 2020 ist die Ausstellung „Otto Piene | Lucio Fontana“ in der Samuelis Baumgarte Galerie zu sehen. Der begleitende Katalog zur Ausstellung ist online und als Druckversion erhältlich.

 

Die Ausstellung ist geöffnet

Montag – Freitag von 10:00 – 18:00 Uhr und Samstag von 10:00 – 14:00 Uhr

Video

Information

Vernissage: 16. November 2019, 17:00 Uhr

Einladung

Presseinformation

Online Katalog

Presse

Kunst mit Genuss, Top Magazin, Winter 2019

'Mit Feuer malen', Westfalen-Blatt, 14.11.2019

'Spiel mit Feuer und Rauch', Neue Westfälische, 14.11.2019

Preview Dinner, Welt am Sonntag, 01.12.2019

Online Katalog

Vergangene Ausstellungen