Über die Ausstellung

Die Samuelis Baumgarte Galerie präsentiert vom 7. März bis zum 30. Mai 2015 eine große Retrospektive zum 100. Geburtstag des bedeutenden deutschen Künstlers des Informel Bernard Schultze (1915 – 2005).

Zur Vernissage am Samstag, 7. März um 17:00 Uhr wird die Kunsthistorikerin Dr. Eva Müller-Remmert, Museum Küppersmühle, Duisburg eine Einführung geben.

Unter dem Titel „Bernard Schultze - Hommage zum 100. Geburtstag - Malerei-Zeichnung-Skulptur“ wird eine Werkschau mit 50 Arbeiten aus den Jahren 1954 – 1999 gezeigt.

1915 in Schneidemühl bei Posen geboren, studierte Bernard Schultze von 1934 bis 1938 in Berlin und Düsseldorf. Er lebte und arbeitete bis zu seinem Tode im Jahr 2005 in Köln.

Das Frühwerk Bernard Schultzes, welches bei einem Bombenangriff 1944 zerstört wurde, ist – bedingt durch die Unterdrückung der Nationalsozialisten – zunächst von Figuration geprägt. Diese Gegenständlichkeit löst Schultze mit Beginn der 1950er Jahre zunehmend durch die Auseinandersetzung mit einer magischen Abstraktion auf. Während die südeuropäischen Maler diese aus den Gebärden ihrer irrationalen Intuitionsimpulse verwirklichen, schöpft Schultze als Repräsentant dieser expressiven Kunstrichtung seine Bildvorstellungen aus den Tiefen der visionären Vernunft, die ihre eigenen Labyrinthe und Aporien durch das bildliche Symbol informelhaft erforscht.1952 gründet Schultze mit K.O. Götz, Otto Greis und Heinz Kreutz die Künstlergruppe Quadriga.  

Die Greueltaten des Zweiten Weltkrieges verarbeitet Bernard Schultze ab Ende der 1940er Jahre dann zunehmend in abstrakten, dunkleren Arbeiten, die oft einen reliefartigen Charakter aufweisen. Sehr deutlich wird dieses in dem Materialbild „Auf weißer Lasur, Verformungen“, 1955, Öl (mit starkem Relief) auf Karton, 51,5 x 61,5 cm, welches von den Farben Schwarz, Anthrazit und Dunkelgrün dominiert wird. Diese frühen Arbeiten Schultzes können als Gesellschaftskritik, als Kritik am Schönen, an der Vergänglichkeit interpretiert werden. Dieser Ansatz durchzieht bis in die 1970er Jahre das Werk des Künstlers. Exemplarisch hierfür kann auch die in der Ausstellung präsentierte Zeichnung „Ko-Existenz“, 1966, Mischtechnik auf Pappe, 44,7 x 62,5 cm, angeführt werden, in dem nicht identifizierbare, gliedmaßenähnliche Gebilde virtuos empor sprießen.

Ab den 1980er Jahren entstehen vermehrt großformatige Leinwandarbeiten, so z.B. das Diptychon „Windhimmel“, 1990, Öl auf Leinwand, 260 x 400 cm, welches beim Betreten der Ausstellung in der Mainhall sofort die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich lenkt. Während des Malprozesses drehte Bernard Schultze diese großformatigen Arbeiten mehrmals und bearbeitete auf diese Weise die Leinwand immer wieder aus einer neuen Perspektive, was den Werken eine besondere Dynamik verleiht. Der Künstler verwendete vorwiegend Erdtöne; die Natur, insbesondere Waldlandschaften dominieren diese farbintensive Werkphase. Deutlich wird dies z.B. in der ausgestellten Leinwandarbeit „Halluzination“, 1997, Öl auf Leinwand, 195 x 130 cm, einer gebirgsartigen, expressiven Landschaft, die sich aus dem Bildvordergrund erhebt. Neben den Wäldern sind es die Migofs, die für Bernard Schultze so bedeutenden Fabelwesen, welche immer wieder in seinen Bildern wie in dem Gemälde „Ein unbekanntes Tier“, 1994, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm oder der raumgreifenden Skulptur „MYRRST“ aus dem Jahr 1963 (Farbplastik, zweiteilig, Draht, Textilien, Plastikmasse und Öl über Holz und Metall, 245 x 196 x 100 cm)  auftauchen.

Die Migofs, die aus reliefplastischen Bildanfängen zu bizarren, vollplastischen Wucherwesen des Vegetativ-Animalischen ausarten, präsentieren mit surreal-abstrakten Sprachgebärden das fatalistisch-dialektische Mit- und Ineinander von Wachstum und Zerfall. Indem Schultze die tachistische Fleckenmalerei mit plastischen Einklebungen und Fotofetzen collagierend durchsetzt, schafft er sich ein fast unerschöpfliches Repertoire an malerischen Mitteln. Mit dieser Arbeitsweise vollzieht Schultze seinen subjektiv-genetischen Akt des monströsen Raumergreifens, der Chaos und Struktur zugleich impliziert. So figuralisiert das Bild „Zerstrahlt unter heiterem Himmel“, 1985, Öl auf Leinwand, 140 x 200 cm das dialektische Grundthema zu visionären Verbildlichungen des gespaltenen, zerfetzten und doch unendlich wuchernden menschlichen Geistes.

Figurative Malerei, informelle-abstrakte Formgebung, düstere Szenarien aber auch besonders die berühmten, grünen, dynamischen Waldlandschaften sowie die Traumgestalten Schultzes laden den Besucher auf Entdeckungsreise durch das gesamte Werk dieses herausragenden Künstlers ein.

Die Ausstellung ist geöffnet Montag – Freitag von 10:00 – 18:00 Uhr und Samstag von 10:00 – 14:00 Uhr.

Das Pressegespräch findet am Freitag, 6. März um 10:00 Uhr statt. Wir freuen uns über Ihre Berichterstattung. Gerne senden wir Ihnen auf Anfrage weiterführendes Material zu.

Vom 16. – 19. April 2015 präsentieren wir auf der ART COLOGNE an unserem Stand B 15 in Halle 11.1 neben Ernst Ludwig Kirchner, Heinz Mack, Cornelius Quabeck und Fred Thieler auch monumentale Werke von Bernard Schultze.

 

Information

Malerei, Zeichnung, Skulptur

Vernissage: Samstag, 07.03.2015 um 17 Uhr.

Mit einer Einführung von Dr. Eva Müller-Remmert, Duisburg

Einladungskarte/Broschüre

Zum Künstler: Bernard Schultze

Bernard Schultze aktuell:
Ein heller Hauch, ein Funkelnder Wind. Bernard Schultze zum 100. Geburtstag
19.06.2015 - 01.05.2016, arp museum Bahnhof Rolandseck, Remagen

Flyer

Einladungskarte

Presse

"Üppig wuchernde Farbwelten", Westfalen Blatt, 07./08.03.2015

"Von starker sinnlicher Kraft", Neue Westfälische, 07./08.03.2015

Vergangene Ausstellungen