Biografie

Das umfangreiche Werk Paul Klees (1879-1940) ist durchzogen von einer komplexen Symbolik, die sich mit der Verortung des Menschen in der Gesellschaft und Natur auseinandersetzt. Die Verwendung christlicher Motive, von Farbskalen, Zahlen- und Buchstabenfolgen und gegenständlichen Motiven in Kombination mit abstrakter Linien- und Flächenformen regt den Betrachter an, über sich selbst zu reflektieren.

Paul Ernst Klee wird am 18. Dezember in Münchenbuchsee in eine musikalische Familie hineingeboren. Neben seinem Talent für das Geigenspiel entwickelt er schon früh ein großes Interesse am Zeichnen und Dichten. 1898 begibt er sich nach München, um Kunst zu studieren und lehnt sich damit gegen den Wunsch der Eltern, eine Musikerlaufbahn einzuschlagen, auf. In München studiert Klee anfangs Grafik an der privaten Malschule von Heinrich Knirr. 1900 bezieht er ein eigenes Atelier und beginnt an der Kunstakademie in der Malklasse von Franz von Stuck zu studieren, von wo aus er eine Studienreise nach Italien antritt. 1908 wird er Mitglied der Vereinigung Schweizerischer Graphiker und nimmt an den Ausstellungen der Münchener und Berliner Secession sowie der Ausstellung im Münchener Glaspalast teil. 1911 wird er Gründungsmitglied der Münchener Künstlervereingung Sema, lernt die Künstlerkollegen August Macke und Wassily Kandinsky kennen und schließt sich im Winter des Jahres der Gruppe Der Blaue Reiter an. Erst seine Bekanntschaft mit Robert Delaunay verändert sein Verständnis von Licht und Farbe maßgeblich. Die intensiven Lichtverhältnisse, die er auf seiner Studienreise Tunesien mit August Macke und Louis Moilliet erlebt, in Kombination mit den Erkenntnissen aus Delaunays Farbstudien inspirieren ihn zu farbintensiven Aquarellen, die zusehend abstrakt werden. Nach weiteren Ausstellungen seiner Werke gelingt Klee 1918 der künstlerische Durchbruch. Die erste retrospektive Einzelausstellung seiner Werke findet 1920 in der Galerie Goltz in München statt. Im selben Jahr wird er von Walter Gropius als Werkstattleiter und Lehrer an das Staatliche Bauhaus berufen. Hier fertigt Klee sein bekanntes Gemälde „Senecio (Baldgreis)“ an. In vereinfachten geometrischen Formen ist ein Antlitz zu erkennen. Scheibenartig, schematisch und mit verschobenen, reduzierten Merkmalen ist es dennoch als Gesicht zu erkennen. Farblich ist das Gemälde in warmen Tönen gehalten, die zwischen vereinzelten weißen Flächen über gelb/orange bis hin zu Rot changiert. Bereits 1924 eröffnet seine erste Ausstellung in den USA. Es folgen weitere Ausstellungen und die Gründung der Gruppe Die Blaue Vier gemeinsam mit Wassily Kandinsky und Alexej von Jawensky. 1926 wird das Bauhaus in Dessau eröffnet, wo er abermals eine Lehrtätigkeit übernimmt. Von zentraler Bedeutung war für ihn das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Linien, Formen, Flächen und Farben. Klee sieht die Kunst als Schöpfungsakt parallel zur Natur an. Nach seiner Ägyptenreise 1928-29 malt er vorwiegend geometrisch aufgebaute Bilder und integriert hieroglyphische Symbole in sein Werk. Repräsentativ für diese Zeit ist sein Werk „Hauptweg und Nebenwege“, das in Blau-/Grün- und Gelbvariationen mit dem Titel korrespondiert: Im Zentrum des Bildes befindet sich ein aus breiten Flächen angelegter Weg, links und rechts davon sind viele kleine Wege, in schmalen Farbstreifen gehalten, abgebildet. Die streifenartigen Wege verlaufen alle sich verjüngend zum Horizont, der am oberen Rand des Bild des zu erkennen ist. 1931 nimmt er eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf an und bleibt dort bis 1933. Er entwickelt in dieser Zeit einen neuen Stil, in dem er raster- oder mosaikartig Farbpunkte aufträgt, die in seinen Werken die spezifischen Licht- und Farbverhältnisse konstruieren. Zwischen Punkten und Linien herrscht eine Wechselwirkung. Durch die Verwendung von Stempeln entstehen farbintensive Mosaike, die die Farben zu Figuren zusammenfügen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kehrt er in sein Elternhaus in Bern zurück, wo er am 29. Juni 1940 in Muralto stirbt.

Das Werk Paul Klees lässt sich keinem Stil eindeutig zuordnen. Er ist dem Konstruktivismus und Bauhaus eng verbunden. Es lassen sich jedoch auch Einflüsse des Kubismus, Expressionismus und Surrealismus erkennen sowie primitivistische Motive wie bei Joan Miró und Pablo Picasso. Er experimentiert zeitlebens mit unterschiedlichen Techniken, Stilen und bricht die anerkannten Regeln der Kunst. In diesem Sinne ist sein Werk wegweisend für viele Künstler des abstrakten Expressionismus.

Teilweise arbeitet er mit traumhaften, kindlichen, aber auch skurrilen Bildinhalten. Klee möchte über Farben, Formen und Linien die Wirklichkeit sichtbar machen und die Bilder aus sich heraus sprechen.

Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.

Paul Klee ©Foto, Alexander Eliasberg, ©Zitat, Paul Klee

Ausstellungen

Museumsausstellungen (Auswahl)

2020: Mapping Klee. Zentrum Paul Klee. Bern, Switzerland

2019: Paul Klee – Equilíbrio Instável. Centro Cultural Banco do Brasil (CCBB) São Paulo, Brazil

2018: Paul Klee. Construction Of Mystery. Pinakothek der Moderne. Munich, Germany

2016: Paul Klee at Play & Paul Klee in Color. San Francisco Museum of Modern Art (SFMOMA) San Francisco, CA, United States

2016: Paul Klee - Irony at Work. Centre Pompidou. Paris, France

2013: The EY Exhibition: Paul Klee. Tate Modern. London, United Kingdom

2013: Paul Klee. Engel. Hamburger Kunsthalle. Hamburg, Germany

2012: Late Klee. The Metropolitan Museum of Art New York City, NY, United States

2012: Paul Klee E L’italia. Galleria Nazionale d'Arte Moderna (GNAM) Rome, Italy

2011: Paul Klee. National Museum of Modern Art Kyoto (MOMAK) Kyoto, Japan

2008: Kult des Künstlers: Das Universum Klee. Paul Klee in der Neuen Nationalgalerie. Neue Nationalgalerie. Berlin, Germany

2008: Paul Klee - Formen Spiele. Albertina. Vienna, Austria

2006: Focus - Paul Klee. Museum of Modern Art (MoMA) New York City, NY, United States

2004: Klee: His Years at the Bauhaus (1921–31) & Klee: The Late Years. The Metropolitan Museum of Art. New York City, NY, United States

2003: Paul Klee im Rheinland. Bundeskunsthalle. Bonn, Germany

1995: Paul Klee - im Zeichen der Teilung. Staatsgalerie Stuttgart, Germany