Dissonanzen des Lichts I Meisterwerke der Moderne und internationale Gegenwartskunst 13. June 2026 - 29. August 2026

About the exhibition

Dissonanzen des Lichts“ versteht sich nicht als chronologische Ausstellung, sondern als spannungsreicher Dialog über eine der zentralen Fragestellungen der Kunstgeschichte: Wie wird Licht sichtbar? Die Ausstellung zeigt Licht als eine der großen Konstanten der Moderne – und zugleich als ein Phänomen, das jede Generation von Künstlerinnen und Künstlern neu befragt. In origineller Gegenüberstellung bekannter Werke wirft sie Fragen auf, die auch für die Gegenwart – in der wir uns sinnbildlich nach Licht sehnen und das Schattenspiel fürchten – relevant sind.

Seit dem späten 19. Jahrhundert wird Licht zunehmend selbst zum Gegenstand der Kunst. Während Lesser Ury die Atmosphäre der modernen Großstadt, spiegelnde Straßen, nächtliche Boulevards und künstliche Lichtquellen in den Mittelpunkt seiner Bildwelten rückt, untersucht Max Liebermann die Wirkung natürlichen Lichts in Landschaft, Garten und Alltag. Beide Künstler markieren den Beginn einer Entwicklung, in der Licht nicht länger nur Mittel der Darstellung, sondern eigenständiges Thema künstlerischer Auseinandersetzung wird.

Von diesen frühen Positionen spannt die Ausstellung einen Bogen über die Klassische Moderne und die Nachkriegsavantgarde bis in die internationale Gegenwartskunst. Dabei zeigt sie, wie Künstlerinnen und Künstler Licht als Atmosphäre, als Farbe, als Energie, als Reflexion, als Erinnerung und schließlich als räumliche Erfahrung begreifen. Gerade aus diesen unterschiedlichen, mitunter widersprüchlichen Auffassungen entstehen jene „Dissonanzen“, die der Ausstellung ihren Titel geben.

Mit Werken von Lesser Ury, Max Liebermann, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Erich Heckel und Pablo Picasso werden wesentliche Stationen der Moderne sichtbar. Urys von Reflexionen und urbanen Lichtstimmungen geprägte Bildwelten stehen am Beginn einer neuen Wahrnehmung der modernen Metropole. Liebermann erforscht das wechselnde Licht der Natur und des Augenblicks. Bei Kirchner verwandelt sich Licht in expressive Farbe und emotionale Intensität. Picasso schließlich löst in Arbeiten wie Trois femmes (1938), Femme accoudée. Sculpture de Dos et Tête barbue (1933) und Fumeur (1964) die sichtbare Wirklichkeit zugunsten eines neuen Verständnisses von Raum, Figur und Form auf. 

Mit der Nachkriegsmoderne verschiebt sich der Fokus erneut. Hans Hartung verwandelt Licht in seinen Gemälden T1969-H14 und T1982-E38 in reine Energie und Bewegung. Die gestische Kraft seiner Malerei macht sichtbar, wie sich Licht von der Darstellung löst und selbst zum Ereignis wird. In Sam Francis’ Untitled (SF65-700) öffnet sich die Farbe zu einem schwebenden Lichtraum, während Günther Uecker mit seinem Prägedruck Graphein C Licht über Struktur, Relief und Material erfahrbar macht.

Einen besonderen Höhepunkt bilden die Arbeiten von Gerhard Richter. In Werken wie Grün – Blau – Rot zu 789 (1993), Eis (1981) und 9. März 2009 (2009) wird Licht nicht mehr als Gewissheit verstanden, sondern als fragile Erscheinung zwischen Erinnerung, Wirklichkeit und Bild. Richter macht sichtbar, dass Wahrnehmung stets auch von Unschärfe, Zweifel und Interpretation geprägt ist.

Die internationalen Gegenwartspositionen führen diese Fragestellungen in den Raum hinein. Die monumentale Edelstahlskulptur Stages 95 (2022) von Tony Cragg verwandelt Licht durch Spiegelung und Bewegung in eine plastische Erfahrung. Die bemalten Carrara-Marmor-Arbeiten Rock (2005) von Katharina Grosse verbinden Farbe, Material und Raum zu einer unmittelbaren physischen Präsenz. Miron Schmückle eröffnet mit seinen großformatigen botanischen Bildwelten imaginäre Räume zwischen wissenschaftlicher Beobachtung und poetischer Vision, während Lore Bert mit Blattgold, Papier und geometrischen Formen Licht als geistige und kulturelle Dimension erfahrbar macht.

Ergänzt wird dieser Dialog durch Arbeiten von Mohammed Kazem aus seiner Werkreihe Coordinates, durch die fotografischen Arbeiten von Astrid Lowack, die poetischen Bildwelten von Susanne Zuehlke, die malerischen Positionen von Janus Hochgesand, der dieses Jahr ebenso wie die 90-jährige Lore Bert auf der Biennale in Venedig präsentiert wird. Die malerischen Kompositionen von Christine Jackob-Marks stehen den keramischen Arbeiten von Antje Tesche-Mentzen sowie den skulpturalen und malerischen Werken des mallorquinischen Künstlers Amador gegenüber. Gemeinsam zeigen sie die Vielfalt zeitgenössischer Antworten auf die Frage nach Licht, Wahrnehmung und Raum.

„Dissonanzen des Lichts“ macht damit sichtbar, wie sich die Vorstellung von Licht über mehr als ein Jahrhundert Kunstgeschichte verändert hat: vom atmosphärischen Licht Urys und Liebermanns über die expressive Farbenergie Kirchners, die formalen Experimente Picassos und die gestische Abstraktion Hartungs bis hin zu den raumbezogenen, materiellen und konzeptuellen Ansätzen der Gegenwart.

Information

Vernissage, Samstag, 13. Juni 2026, 17 Uhr
Einladungskarte zur Ausstellung

 

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