
Samuelis Baumgarte Galerie
Aus aktuellem Anlass
Malerin und Galeristin Ruth Baumgarte fast 90jährig verstorben
Die weit über Bielefelds Grenzen hinaus bekannte Malerin und ehemalige Galeristin Ruth Baumgarte verstarb am 7. Februar 2013 in ihrem Wohnhaus in Bielefeld nach schwerer Krankheit.
Ruth Baumgarte anlässlich des 30. Galeriejubiläums, 2005
Ruth Baumgarte, die aus einer alten Theaterfamilie stammte, wurde 1923 als Tochter des UFA Chefs und Mehrheitseigner der Tobis Filmproduktionsgesellschaften Kurt Rupli in Coburg geboren und wuchs in Berlin auf. Ihre erste künstlerische Ausbildung erhielt sie an der bekannten Kunstschule des Westens bei Emmy Stahlmann Berlin. Von 1940 bis 1944 studierte sie an der Hochschule für Bildende Künste Berlin bei den legendären Professoren Gerhard Ulrich, Michel, Tank, Franke und Wehlte und wurde mehrfach wegen besonderer Begabung preisgekrönt. Während des Studiums war sie ständige Mitarbeiterin des Kaskeline –Zeichentrick-Ateliers. Infolge der Evakuierung der Hochschule im Zweiten Weltkrieg ging sie zunächst nach Dresden, verließ die Stadt aber wenige Wochen vor der Zerstörung 1945 und flüchtete in ein Meisteratelier der staatlichen Industrie- und Kunstgewerbeschule Sonneberg in Thüringen. Kurz vor Kriegsende kehrte sie nach Berlin zurück und erlebte dort hautnah den furchtbaren Untergang Deutschlands. Kurz nach Kriegsende wurde die junge Künstlerin schnell Pressezeichnerin der ersten deutsch/russischen Tageszeitung, womit sie für sich und ihre Familie den Lebensunterhalt verdiente. Aufgrund ihrer ersten Ehe mit einem aus Bielefeld stammenden Künstler, siedelte sie nach Westdeutschland um.
Ruth Baumgarte, Frühes Selbstbildnis, 1947, Öl auf Hartfaser
Tagesaktuell zeichnete sie für die in Bielefeld erscheinende Freie Presse, eine Vorgängerin der Neuen Westfälischen. Auch als Buchillustratorin machte sie sich schnell einen Namen und arbeitete für eine Vielzahl renommierter deutscher Verlage. Doch seit Ende der 1940er Jahre erschloss sie sich zunehmend erfolgreich mit freier Kunst die Kunstszene und zeigte ihre Werke international. Zahlreiche Reisen in ferne Länder von Persien bis Afrika inspirierten die Künstlerin für ihre Arbeiten. Familiär verwurzelt hat sich Ruth Baumgarte Anfang der 1950er Jahre in Bielefeld. 1952 heiratete sie den Industriellen Hans Baumgarte (verstorben 1999), damaliger Eigentümer des Eisenwerks Baumgarte.
Die Malerin Ruth Baumgarte mit ihrem Mann, dem Fabrikanten Hans Baumgarte, auf dem Bundespresseball in den 1970er Jahren
Ruth Baumgarte in ihrem Atelier Ende der 1960er Jahre
Ihre Tochter Janine ist Tierärztin, ihr Sohn Alexander heute alleiniger Eigentümer der von ihr 1986 maßgeblich mitgegründeten international erfolgreichen Samuelis Baumgarte Galerie und dem späteren weiteren Unternehmenszweig Art Consulting. Die Samuelis Baumgarte Galerie ist aus ihrer Mitte der 1970er Jahre gegründeten, bekannten Bielefelder Galerie „ Das Fenster“ an der Artur-Ladebeck-Straße hervorgegangen. Der ehemalige Feuilleton-Chef der Neuen Westfälischen, Martin Bodenstein, schrieb in seinem Buch "Mimen, Maler und Mimosen“: Das Fenster besaß eine winzige Sitzecke für Enthusiasten, die nicht auf Kunstkomfort, sondern auf komfortable Kunst und obendrein auf Konversation mit ihren Schöpfern Wert legten. Mit ihrer legendären Galerie habe Ruth Baumgarte „die Butzenscheiben der Provinz aufgestoßen“.
Für ihre eigene Kunst, vor allem für ihren dichten, thematisch konzentrierten Afrika-Zyklus reiste die Künstlerin erstmals in den 1950er Jahren und seit den frühen 1980er Jahren unzählige Male auf den afrikanischen Kontinent und besuchte Länder von Südafrika, Namibia, Zimbabwe, Tansania, Kenia oder den Sudan.
Ruth Baumgarte bei einem Besuch der Massai, Tansania, Anfang der 1990er Jahre
Seit 1985 besuchte sie Afrika fast jährlich. Aus bildnerischen Reisenotizen entstanden großformatige Ölgemälde, nach Erinnerungen geschaffen, zwischen der Symbiose afrikanischer Stammeskultur und zunehmender Industrialisierung und Zerstörung afrikanischer Riten. Diese Werke gerieten umso intensiver und tiefer nach Ausarbeitung im Atelier, als dies unmittelbar vor Ort möglich war, erklärte Ruth Baumgarte. Ihre Bilder aus diesem Zyklus, der unzählige Werke umfasst, zeigen Afrikaner, einzeln oder in Gruppen vor sich verschmelzenden Landschaftsvisionen. Doch die Szenen, so genau wie einfühlsam beobachtet und gezeichnet, durchwirkte Ruth Baumgarte mit glühenden Farben. "Die schwüle Hitze Afrikas kann ich nur durch diese Farben ausdrücken", sagte die Künstlerin. Doch was hier die Notwendigkeit von Darstellung und bildnerischer Umsetzung diktiert, erscheint zugleich als eine Ehrerbietung der Vitalität gegenüber, womit das Leben in Afrika einem sensibel wachen Geist imponierte. Ruth Baumgarte hat dem aus dem europäischen Blickwinkel einst „dunklen Kontinent“ bildnerisch Licht und leuchtende Farbe gegeben, sie gab ihm eine Seele.
Ruth Baumgarte in ihrem Atelier
Ruth Baumgarte 1988, Quelle: Westfalen-Blatt, Hans-Werner Büscher
Ruth Baumgartes Afrika Zyklus wurde international in Museen, Kunstvereinen oder auf Kunstmessen wie der Art Cologne, Fiac, Arte Fiera Bologna, der art Karlsruhe bzw. in weltweit bekannten Galerien wie Aberbach Fine Art New York, Galleria Giulia Rom, der Fondation Veranneman oder Frost & Reed Ltd in London ausgestellt.
Ruth Baumgarte bei der Vernissage ihrer Ausstellung Galerie Frost & Reed, London, 1992
Ruth Baumgarte mit Gloria Argelés anlässlich ihrer Vernissage, Galeria Guilia, Rom, 1994

Einladung zur Ausstellung und Vernissage Fondation Veranneman, Belgien, 1998
Ruth Baumgarte anlässlich ihrer Vernissage in New York 2001 mit Susan Aberbach, Aberbach Fine Art und ihrer Kollegin Fran Dropkin
Ruth Baumgarte bei ihrer Vernissage, Galeria Marieschi, Mailand, 2004 und wärend der Eröffnungsrede mit dem Galeristen Dr. Claudio Malberti und dem deutschen Kulturattaché Dr. Felix Klein
Im Frühjahr 2012 hat die Künstlerin im Alter von 88 Jahren die Ruth Baumgarte Kunststiftung gegründet, die ihr künstlerisches Lebenswerk zukünftig verwalten, fördern und alljährlich einen Preis an einen figurativ arbeitenden Künstler stiften wird. Den Vorsitz der Ruth Baumgarte Stiftung wird ihr Sohn, der Galerist und Kunsthändler Alexander Baumgarte, auf Lebenszeit bekleiden.
Trauerbrief der Ruth Baumgarte Stiftung
Zur Künstlerin: Ruth Baumgarte
Samuelis Baumgarte Galerie
Die Samuelis Baumgarte Galerie blickt auf eine über 35-jährige Tradition der Kunstvermittlung und Kunstberatung zurück. Aus der 1975 von Ruth Baumgarte gegründeten Rechtsvorgängerin wurde das Unternehmen 1986 in zweiter Generation durch Alexander Baumgarte in die heutige Samuelis Baumgarte Galerie umfirmiert. Seit 1988 ist Alexander Baumgarte alleiniger Inhaber. Die Galerie befindet sich im Zentrum Bielefelds, gegenüber dem Rathaus und Stadttheater und bietet über 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche.
Die Architektur der Räume erlaubt nahezu jede Art von Ausstellungskonzept: Malerei, Fotografie, Installation und Skulptur können hervorragend präsentiert werden. Als Mitglied im Bundesverband Deutscher Galerien e.V. zeigt Ihnen die Galerie in ständig wechselnden Ausstellungen international bekannte Positionen der Gegenwartskunst, Klassiker der Moderne sowie junge experimentelle Tendenzen. Dabei steht die medienübergreifende Präsentation etablierter und junger Kunst, aber auch die aktive Vermittlung unserer Künstler an renommierte Museen und Kunstinstitutionen im Vordergrund. Über 300 Einzel- und thematische Ausstellungen wurden bisher gezeigt. Sie können die Galerie regelmäßig auch auf vielen bedeutenden Kunstmessen besuchen: ART COLOGNE, art forum berlin, art KARLSRUHE, Kunstmesse München, Arte Fiera Bologna oder Fiac in Paris.
Einblicke in die Samuelis Baumgarte Galerie (PDF)Weitere Einblicke: Die Kunst muss nichts, die Kunst darf alles. « Ernst Fischer
Aktuelle Ausstellung
Wichtige Positionen des deutschen Informel
29.04.2013 - 21.06.2013
Carl Buchheister, Karl Fred Dahmen, Winfred Gaul, K.O. Götz, Hans Hartung, Gerhard Hoehme, Bernard Schultze, Emil Schumacher, K.R.H. Sonderborg, Fred Thieler, Hann Trier, Fritz Winter
Es erscheint eine Publikation.
Wir sind immer am Ankauf von Werken folgender Künstler interessiert:
NEWS
"Hochverdient. Vorfreude in den Ateliers von Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker. Das Zero-Gründer-Duo und ihr Komplize sollen vom September 2014 an mit einer großen Welttournee geehrt werden, die unter der künstlerischen Leitung von Daniel Birnbaum, Stockholm, steht und im Zusammenspiel von ZERO Foundation, Düsseldorf, und Kulturstiftung des Bundes möglich ist. Auftakt im Guggenheim Museum in New York. Unter den weiteren Stationen sind im Jahr 2015 Amsterdam (Stedelijk) und Berlin (Gropius-Bau)."
Quelle: Informationsdienst Kunst.
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